Qi-Gong
Qi-Gong ist eine der tragenden Säulen der Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die auf fünf grundlegenden Methoden basiert. Innerhalb dieser jahrtausendalten Gesundheitslehre nimmt Qi-Gong einen besonderen Platz ein. Es verbindet Körper, Atem und Geist zu einer ganzheitlichen Praxis Seit einigen tausend Jahren wird Qi-Gong in unterschiedlichen Varianten zur Selbstkultivierung und Verbesserung körperlicher und seelischer Befindlichkeiten eingesetzt. Qi-Gong ist leicht zu praktizieren und macht uns fröhlicher. Es ist für alle Altersgruppen geeignet und nach dem Üben fühlen wir uns ausgeglichener und entspannter.
Die drei Säulen von Qi-Gong sind Bewegung, Atmung und Bewusstsein. Sanfte, achtsame Bewegungen wechseln sich mit gezielter Spannung und bewusster Entspannung ab. So wird der Körper aktiviert, die Meridiane angeregt und die Lebensenergie – das Qi – kommt wieder ins Fließen. Auf diese Weise können Beweglichkeit, Stabilität und Gesundheit nachhaltig unterstütz werden.
Alle Qi-Gong Übungen basieren auf den gleichen Prinzipien:
- Entspannung, Ruhe, Natürlichkeit
- Vorstellungskraft und Qi folgen einander
- Bewegung und Ruhe gehören zusammen
- Oben leicht und unten fest
Die Bewegung kommt aus dem Becken (Dantian) und setzt sich in die Arme und Beine fort. Der aufsteigende sowie der absenkende Impuls entsteht aus dem Dantian.
Durch Qi-Gong möchten wir energetische Blockaden lösen und unseren Körper geschmeidiger, beweglicher und durchlässiger machen.
Qi steht für die Lebensenergie, die durch unsere Vorstellungskraft und Aufmerksamkeit gelenkt wird. Unsere Energie folgt dabei unseren Gedanken – sie fließt dorthin, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten. Durch bewusste Visualisierungen während der Qi-Gong-Übungen können wir den Energiefluss unterstützen und harmonisieren.
Ein wesentliches Ziel des Qi-Gong ist es, Yin und Yang in Einklang zu bringen und so das natürliche Gleichgewicht von Körper, Geist und Energie zu fördern.
Gong bedeutet so viel wie Übung, Arbeit oder das stetige Bemühen. Qi-Gong ist somit ein Weg der bewussten Übung und Entwicklung, auf dem wir durch regelmäßiges Praktizieren mehr Ausgeglichenheit, Beweglichkeit und innere Harmonie erfahren können.
An der Stelle möchte ich Herrn Dr. Christian Schmicke, Gründer der TCM Klink Steigerwald, zitieren.
Der Sinn der langsamen Bewegung
Die Langsamkeit ist das auffälligste Merkmal der chinesischen Übungswege. Hier sind wir im Westen zunächst ziemlich ratlos: Wir haben doch ausgeklügelte Methoden und Apparate ersonnen, mit deren Hilfe sich Muskulatur und Kreislauf optimal trainieren lassen; wozu brauchen wir diese „Zeitlupengymnastik“?
Der Grundgedanke hinter dem langsamen Fließen der Bewegung ist: Die willensgesteuerte Muskeltätigkeit soll mir den übrigen Funktionen des Organismus abgestimmt und in Einklang gebracht werden.
Unsere Physiologie unterscheidet 2 Grundfunktionen des Nervensystems: die >>amimalische<< und die >>vegetative<< Funktion. >>Amimalisch<< sind die willentlich gesteuerten Bewegungen und die Sinneswahrnehmung; >>Vegetativ<<, die Steuerung im Körper, die dem Bewusstsein und Willen entzogen sind, wie die Engstellung oder Weitstellung der Blutgefäße, die Tätigkeit der Verdauungsdrüsen, die Regulation der Hautporen und so weiter. Beide Systeme arbeiten mit unterschiedlicher Geschwindigkeit: Schnell ist die Weiterleitung der Information in den Bewegungsnerven und in den Sinnesnerven, schnell ist auch ist Muskelbe-wegung. Langsam sind dagegen alle Bewegungen im vegetativen Nervensystem, die Regelung der Durchblutung, die Geschwindig-keit, mit der sich die Nadelempfindung bei der Akupunktur ausbreitet, die Darmbewegung, die Geschwindigkeit, mit der es einem bei Schreck kalt den Rücken herunter rieselt, oder die Atembewegung.
Das Qigong soll die beiden Systeme wieder zusammenführen, die Gliedmaßen sollen einem Fließen folgen, dessen langsame Geschwindigkeit in etwa mit der Erregungsausbreitung in den Eingeweidenerven übereinstimmt. – Bewegung aus dem Bauch. Das ist gerade für uns sehr vom Kopf bestimmte Menschen im Westen ungeheuer wichtig.
Vergleiche: Quelle: Chinesische Medizin für die westliche Welt, Dr. Christian Schmicke
In China heißt es: „Wer auf die kleinen Krankheiten achtet, bleibt von den großen verschont.“ Vielleicht ist dies einer der Gründe, warum man in den frühen Morgenstunden in chinesischen Parks Menschen sieht, die sich in Gruppen zusammenfinden, um gemeinsam Qi-Gong zu praktizieren – still, konzentriert und verbunden mit sich selbst.
